Einst lebte ein großer Sufimeister, der seine Schüler in sehr vielfältiger,
manchmal auch merkwürdiger Weise zu unterrichten pflegte.
Eines Abends kamen sie zu seinem Haus und fanden ihn auf allen vieren auf dem Boden kriechend.
Bei der Eingangstür hing eine Lampe, und er kroch innerhalb des Lichtkegels herum.
-Meister, was tut Ihr?
-Ich suche nach dem Haustürschlüssel.
Sofort schlossen sich alle seiner Suche an, krabbelten ebenfalls auf dem Fußboden herum
und sahen sich nach dem Schlüssel um.
Nach einer ziemlich langen Zeit fruchtlosen Suchens fragte einer der Schüler:
-Meister, wo wart Ihr, als Ihr den Schlüssel verloren habt?
-Dort drüben. Der Meister streckte seine Hand aus und wies auf einen Platz, der im Dunkeln lag.
-Warum in aller Welt sucht Ihr dann hier?
-Na ja, weil es doch so viel einfacher ist, dort zu suchen, wo es hell ist.
(aus dem Buch "Mit dem Drachen fliegen)
Genau dazu neigen wir normalerweise.
Aufgrund unserer Unwissenheit und Verwirrtheit suchen wir das Glück an Orten, wo wir es nicht finden können.
Wir fahren damit fort, weil die Welt der oberflächlichen Erscheinungen uns vorgaukelt, daß es dort, wo wir suchen, Glück zu finden gibt
- in der Welt der Sinne und des Verlangens.
Da wir das wahre Glück aber dort nicht finden können, enden unsere Anstrengungen immer im Leiden.
Dimidium facti, qui coepit, habet
(Wer nur begann, der hat schon halb vollendet)
(Horaz)